Was sind gute Ziele?


Verbreitet die Message!

Warum Ziele?

Überall liest man, dass man sich Ziele setzen muss. Auch aus meiner Sicht haben Ziele viele positive Funktionen, für jemanden der erfolgreicher sein will:

  • ich bekomme eine Idee davon was ich will und warum
  • ich bekomme eine Chance, klar messbar und objektiv zu behaupten: “Ja, ich habe mein Ziel erreicht”
  • scheitere ich, habe ich eine Chance mich zu verbessern
  • ich bin motiviert & inspiriert
  • ich lerne mich besser kennen
  • ich habe überhaupt eine Chance zufrieden zu sein

Ein tolles Beispiel für (falsche) Zielsetzung ist eines meiner Ziele vor meiner ersten Gründung: “Ich will mehr Geld verdienen.”

Warum ist das ein schlechtes Ziel? Ich möchte euch vorstellen, wie ich mir heute Ziele setze und welche Kriterien und Verfahren ich anwende.

Gütekriterien

1.Messbarkeit

Meine größte Kritik an dem Ziel mehr Geld zu verdienen ist zuallererst, dass man es nicht messen kann.
Was heißt mehr Geld zu verdienen? 1 Cent? Ein monatlicher Betrag?

Bei meinen kritischen Fragen schaue ich auf die Messbarkeit des Ziels: “Woran würde ich erkennen, dass ich dieses Ziel erreicht habe? Wann wäre ich zufrieden? Was bedeutet ‘done’?”

Es sollte also eine Eingrenzung geschehen, so etwas wie: “Na, ab 100€ mehr im Monat.”. Gut.

  • Ein Ziel muss klar messbar und seine Erfüllung verifizierbar sein
  • Ich lege Ort, Zeit und mit wem konkret fest.

Beispiel schlechtes Ziel: “Ich will mehr Sport machen.” Wann, wo, wieviel?

Besser: “Morgen, direkt nach dem Aufwachen laufe ich diese Route von 7 Kilometern. Das Absolvieren ohne Unterbrechung zählt als Erfolg. Das mache ich jeden Montag und Mittwoch.”

2. Warum

Nehmen wir mal an wir zwei gehen ein Bier trinken und du erzählst mir von dem Ziel 100€ monatlich mehr zu verdienen, dann würde ich Dir entgegnen: “Warum? Wofür willst du die 100€ im Monat nutzen? Warum monatlich?”.
Erschreckenderweise sind diese simple Gegenfrage für fast alle Menschen eine komplette Depotenzierung ihrer Ideen und Wünsche – fast schon ein Angriff.
Dabei ist es völlig normal, dass wir Menschen einfach nicht wissen, warum wir etwas wollen. Ich selbst habe wahrscheinlich bei 90% meiner Entscheidungen keine Ahnung, warum ich etwas tue. Doch über das warum kommen wir zu einer schärferen Vorstellung von unserem Ziel und lernen uns besser kennen.

Nehmen wir mal an, du willst die 100€ für einen tollen Urlaub zurücklegen. Dann ist dein Ziel nicht 100€ mehr zu haben, sondern dein fucking Urlaub! Hängematte statt Kontostand.
Warum genau wolltest du nochmal in den Urlaub? 😉

Jetzt kann man natürlich sagen: “Ja gut, Geld ist aber ein ziemlich universelles Gut und ich kann ja dann immer noch entscheiden was ich genau damit mache, lass mich mal anfangen.”
Ich bin ein großer Freund von Pragmatismus, aber lass mich nochmal zu meiner Gründung zurückkommen.. Ich hatte später mein Ziel sogar konkretisiert und einen gewissen Stundenlohn festgesetzt. Ich habe mich nicht gefragt warum, oder was in mir los ist, stattdessen habe ich für mein Ziel gekämpft.. und habe es erreicht.
Doch dann geschah etwas furchtbares: Ich war nicht zufrieden! Im Gegenteil ich hatte soviel darauf projiziert, dass es regelrecht schmerzhaft war mein Ziel zu erreichen!
Klar, die ersten Tage war die reine objektive Erfüllung des (nicht gerade kleinen) Ziels berauschend, aber dann fühlte es sich leer an: Was hatte ich falsch gemacht?

Die Antwort wird dir inzwischen klar sein: Ich wollte gar nicht mehr Geld verdienen. Ich hatte ganz andere Gründe selbstständig zu werden…
Besonders wenn man viel für seine Ziele tut, gleicht dieser Moment einer mittleren Katastrophe.

Umso gröber die eigene Zieldefinition ist, umso größer ist die Distanz zum eigentlichen, inneren Wunsch. Und umso größer damit die eigene Enttäuschung und Verbitterung.

Es lohnt sich also immer wieder zu fragen: “Warum zur Hölle will ich das eigentlich?”.

Wichtig ist hier aber auch ins Handeln zu kommen und nicht nur herum zu theoretisieren – besonders intelligente Menschen sind von dieser Krankheit betroffen! Mein Ansatz ist es, ein Ziel zu definieren, tief nach einem warum zu graben, es zu verbessern und wenn ich nicht weiter komme dieses Ziel praktisch zu verfolgen. Wenn ich diese “Warum-Sessions” regelmäßig (vielleicht alle 4 Wochen) einstreue, komme ich meinem Ziel durch das Handeln immer näher, kann aber meinen Kurs immer korrigieren oder im Notfall ganz abbrechen.

3. Ziel oder Vision?

Ein großes Problem ist die innere Selbstzensur und falsche Bescheidenheit der Menschen. Ein Ziel muss “groß genug” sein!
Wenn ich auf geile Autos stehe, dann setze ich mir keinen 3er-BMW zum Ziel, sondern einen Maserati oder Ferrari. Warum ist das wichtig?

Gehen wir mal weg vom Materialismus. Nehmen wir mal an dein Ziel ist es eine feste Freundin zu haben.
“Moment!” – wirst du jetzt schreien: “Das ist aber nicht sonderlich konkret!”. Gut aufgepasst 😉

Du setzt dich also hin und fragst dich: Was ist das für eine Freundin, was heißt fest, wie gut soll die Dame denn aussehen?
Besonders Jungs und Männer, die nicht allzu viel Erfahrung/Erfolg bei Frauen haben, antworten so etwas wie:

Sie soll nur ganz gut aussehen und nett sein. Ich habe keine großen Ansprüche.

Nicht nur mir läuft bei diesem Satz ein kalter Schauer über den Rücken: So gut wie keine Frau will das!
Nun frag’ dich mal, ob du willst, dass deine Freundin über dich sagt: “Hm, er ist ganz gut aussehend und nett. Ich habe ja keine großen Ansprüche.”. Nein, niemand will das!
Frauen (und nicht nur die) wollen leidenschaftlich geliebt und begehrt werden und sich gefälligst darauf verlassen, dass der Partner wirklich begeistert von ihr ist.
Solche “gedämpften” Ziele werden aus einer inneren Zensur und Minderwertigkeitsgefühlen geboren!

Zumindest ich bin der Meinung, dass du es verdient hast das Leben in vollen Zügen zu genießen. Was sagt es über dich aus dass du dich schon in deiner Zielsetzung zurück hältst?
Ich halte das für ziemlich unliebevoll.. aber vollständig auf dieses Thema einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels absolut sprengen. Ich sehe für diesen Mechanismus zwei Hauptgründe:

  1. Ein Ziel, dass mir wirklich wichtig ist birgt immer die Gefahr, dass es richtig schlimm ist es nicht zu erreichen. Auf dem Weg dahin könnte ich auch auf riesige innere Hürden und Begrenzungen stoßen, die eigentlich schon immer dafür sorgten, dass ich das was ich wirklich will nicht erreichen kann.
  2. Mehr zu fordern, konfrontiert uns mit unserem Selbstwertgefühl. Eine schmerzhafte Erfahrung. Ein niedriges Selbstwertgefühl ist bequem, da jemand der sich nicht liebt, keine Verantwortung für sich übernehmen muss. Ein hohes Selbstwertgefühl ist oft eine Bürde, da man diesem auch gerecht werden muss.

Ich hoffe ich kann dich dafür motivieren mehr vom Leben zu fordern und für eine höhere Lebensqualität einzustehen. Und keine Sorge: Nicht nur dir macht das Angst, aber es lohnt sich.


Ein weiterer Gedanke, warum das wichtig ist hat Kolja Barghoorn auf seinem Kanal gut erklärt: Setzt man sich sehr hohe Ziele, fängt man an nach anderen Lösungswegen zu suchen, da man weiß, dass man mit konventionellen Methoden niemals zum Ziel kommt. Ein schönes Beispiel ist das beliebte Ziel der sicheren Rente (was für ein Scheißziel!).
Hat man dieses Ziel, dann macht man was alle machen und verwurstet sein Leben als Angestellter, während man gleichzeitig auf Gevatter Staat vertraut. Ist das Ziel stattdessen: Ich will bis 60 1 Mio. € besitzen (Die Frage nach dem warum bleibt..) kann man mit einem einfachen Excel-Sheet sehen, dass das mit dem jetzigen Job niemals klappen kann.

Außerdem ist das Erreichen von 50% eines großen Ziels, 10-mal mehr wert als 90% des kleinen Ziels.

4. Große Ziele, kleine Schritte

Ich war eigentlich nie sonderlich sportlich. Und ich hasse Laufen.
Zumindest dachte ich das. Irgendwie kam ich vor ein paar Wochen auf die tolle Idee Laufen zu gehen (tolles Ziel nicht wahr?) und begann mit einer Strecke von ungefähr einem Kilometer.
Und du so: “Das ist jetzt ein Witz oder?”. Nicht ganz 😉

Mein (Zwischen)Ziel war es täglich morgens zu laufen. Ich suchte mir eine ganz bestimmte Rundstrecke heraus.. ca. 6 Kilometer. Ich hätte das schon irgendwie geschafft, aber niemals täglich und mehr als zwei mal durchgezogen.
Normalerweise tendiere ich dazu mich zu überfordern, aber ich kenne mich ja schon ein bisschen, deshalb nahm mir den ersten Tag vor nur diesen einen Kilometer zu laufen. Im Anschluss erweiterte ich täglich mein Ziel um nur wenige hundert Meter. Diese “Checkpoints” setzte ich mir jeweils am Vortag. Es fiel mir sehr leicht immer zu sagen: “okay, gestern hast du das ja schon geschafft.” und beim erreichen des gestrigen Checkpoints “die letzten paar Meter schaffst du auch noch.” Und siehe da, heute morgen bin ich 7 km gelaufen.
Narzisstisch wie ich bin, habe ich natürlich meinen Freunden davon erzählt und einer von ihnen fing auch das Laufen an – nur stieg er (gegen meinen Rat) mit 5 Kilometern ein. Und er zog durch..
Er ging genau einmal laufen, jetzt hat er eine Sehnenscheidenentzündung am Fuß. 🙁

Es ist wichtig nicht zu groß anzufangen, kleine Schritte sind nicht nur gesünder, sondern führen gepaart mit Kontinuität zu viel größeren Ergebnissen (Zinses-Zins).

Das Laufen alleine ist kein extrem großes Ziel und auch nicht herausragend.. aber es geht mir genau darum dabei: Kontinuität. Ich möchte mit mir einen Vertrag machen können und wissen das ich es einhalte. Und genau da habe ich meine Probleme und scheitere oft..

5. Scheitern und Flexibilität

Ziele haben keinen Sinn, wenn man nicht ernsthaft versucht plant diese auch zu erreichen. Sonst ist man nur ein Dummschwätzer.
Aber oft gelingt es nicht die eigenen Ziele oder nur eine handvoll Tagesaufgaben zu erreichen.

Ich scheitere meistens daran, das zu tun was ich mir am Vortag vorgenommen habe – mir fehlt es einfach an Disziplin. Wie gehe ich mit diesem Versagen um?
Ich versuche mir immer vorzustellen wie ein liebevoller Vater mit seinem Kind umgehen würde, wenn dieses versagt. Sicherlich ist Druck und Strafe einengend und demotivierend, während durch an Desinteresse gleichende Undiszipliniertheit auch kein Wachstum entsteht. Ich versuche mich nicht dafür fertig zu machen, aber zu verstehen, warum genau ich dieses Tagesziel nicht erreicht habe.

Sich Ziele zu setzen und diese diszipliniert zu verfolgen ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, diese immer wieder zu überprüfen. Nicht nur das warum, sondern auch der momentane Rahmen sollten immer überprüft werden. Man sollte nicht Laufen gehen, wenn die Partnerin grade einen Krankenwagen braucht, es sei denn, das Ziel lautet: “Ich möchte sofort meine Beziehung beenden.” 🙂

Das leuchtet natürlich ein, aber es ist auch ein Fakt, dass das Verfolgen von Zielen immer Ressourcen von anderen Dingen abzieht. Es ist wichtig, das zu wissen und eine interne Priorisierung vorzunehmen. Wie viel Fernsehen musst du schauen? Wie viel Videospiele? Wie viel Sex? Willst du Deine Zeit und Energie in Fitness und strenge Diäten investieren oder lieber die Nacht durcharbeiten können? Familie oder Karriere?
Du kannst nicht alles haben. Niemand ist Bruce Wayne. Glaub nicht diesen Blödsinn aus der Cola-Werbung.
Der Versuch alles gleichzeitig zu schaffen ist sehr riskant und ungesund. Ich rate dazu große Ziele zu setzen, aber kleine tägliche Schritte zu machen und immer zu schauen: “Okay, schaffe ich das?”. Gerade als Software-Entwickler muss man viele “Babys” abtreiben.

Ich passe mein Maß an Forderung flexibel an und habe mir angewöhnt Scheitern nicht mehr als extrem schlimm zu bewerten, wenn ich mich auch immer frage warum und versuche meinen Tagesplan anzupassen. Im Notfall muss ich meine Ziele kippen.

Verbreitet die Message!

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